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Georgische Fresken

Georgische Wandmalerei


Engel von Kincwisi, XIII Jh.

Im Verlaufe vieler Jahrhunderte wurden in Georgien künstlerisch hervorragende Werke der Monumentalmalerei geschaffen, deren große Anzahl uns entweder gar nicht oder nur in kleinen Fragmenten überliefert ist. Verlorengegangen sind die Wandmalereien der vorfeudalen Epoche; schwache Spuren von Farbe sind auf der Stuckschicht des Kuppelsaales in Armasis’chewi aufgespürt worden.

Die Fassadenmalerei hatte in Georgien keine breite Anwendung gefunden. Das erklärt sich aus der Liebe der Georgier zum Stein mit der großen Ausdruckskraft seiner Oberfläche, die sie mit Feingefühl und wahrer Meisterschaft genutzt haben. Fassadenmalereien sind bei einigen Denkmälern aus dem 8. und 9. Jh. erhalten geblieben (Akura, Zirkoli, Armasi). Aus späterer Zeit finden wir sie in Oschki, Chachuli und Ischchani. Figürliche Darstellungen bedecken auch heute noch einige Teile von Kirchenfassaden in Swaneti (Ipari 11. Jh., Lagami 14. Jh., Laschtschweri 17. Jh. u. a.).

Das 8. und 9. Jh., die Periode der Araberherrschaft in Kartli, war von einem Aufschwung des Nationalbewusstseins gekennzeichnet. In dieser Zeit ist eine Reihe von Werken der besonderen literarischen Gattung der sog. „Viten“, geschaffen worden, die den Begründer der georgischen Klöster gewidmet waren. So entstanden beispielsweise in der Hauptkirche Udabno und in anderen Kirchen im Klosterkomplex von David-Garedscha einzelne Szenen oder ganze Zyklen, die das Wirken von David Garedscheli illustrieren.

Diesen Wandmalereien kam zu Beginn des 10. Jh. bei der Ausstattung der Innenräume eine große Bedeutung zu. Das Bestreben, die Wände mit Malereien zu bedecken, entsprach nicht nur einem ästhetischen Bedürfnis, sondern drückte sowohl die Weiterentwicklung nationaler Traditionen wie den Einfluss der byzantinischen Bilderlehre des 10. Jh. aus.


Heilige Dawid Garedscheli,
Monumentalmalerei,
Dawid-Garedscha, 10.-11.Jh

Die georgische Malerei unterscheidet sich in der Periode zwischen 11. und 14. Jh. von der gleichzeitigen byzantinischen Malerei; sie entwickelt sich gemeinsam mit den anderen Kunstzweigen Georgiens und erlebt jenen schöpferischen Aufschwung, der für die Architektur und die Plastik der genannten Zeit charakteristisch ist. Die Themenwahl für die Hauptapsis erweist sich in ikonographischer Hinsicht als durchaus selbständig. Verbreitet ist das „Deesis“-Motiv , das sowohl in der einfachen Variante mit Christus, Maria und Johannes (Hauptkirche in Dawit-Garedscha 10.-11 Jh., Iprari 11. Jh.), wie in der um Erzengel und Seraphim erweiterten Version auftritt (Semo-Krichi 11. Jh., Pawnissi 12. Jh.). Zu dieser Zeit bevorzugt Byzanz als Apsismotiv die Gottesmutter mit dem Kind. In Georgien erhielt sich die Tradition, in der Kuppel die Kreuze anzufügen (Kincwissi 13. Jh., Timotesubani 13. Jh.). In Ischchani und Manglissi werden sie durch Engel geschützt. Diese Darstellung in der Kuppel ist offenbar nur in Georgien verbreitet.

Im Unterschied zu den für Byzanz charakteristischen malerischen Auffassung und Ausführung ist die georgische Wandmalerei linear bestimmt, sie lebt von der betonten Ausdruckskraft der Linien. Die Entwicklung dieses Stils verläuft von einer strengen Monumentalität zur Dynamik und zur Dekorativen. Die Darstellung der Figuren wandelt sich ebenfalls. Die strengen und gedrungenen Figuren vom Ende des 10. und Anfang des 11. Jh. verändern sich zur zweiten Hälfte des 11. und zum 12. Jh. hin allmählich, sie werden elegant, ihre Bewegungen majestätisch; die Gesichter werden fein modelliert, die Drapierung lässt die Formen des Körpers erkennen und betont sie. Die Malereien dieser Zeit zeichnen sich durch besondere Expressivität der Bewegung und Zeichnung sowie durch ihre Emotionalität aus.
Eine Gruppe von Wandmalereien des 12./13. Jh. in Betania, Wardzia Timotesubani und besonders Kincwissi weisen gewisse artifizielle Züge auf. Die Zeichnungen und die Formen werden jetzt weicher und eleganter, die Farbzusammenstellung ist raffiniert, die Linien sind weich, fließend gerundet.


König Dawid IV. Agmaschenebeli
1089-1125


Königin Tamar
1184-1213

Vom 11. bis 13. Jh. lassen sich in Georgien einige Malschulen verfolgen. Der hauptstädtischen Schule sind die Malereien in Ateni, Kincwissi und Timotesubani zuzuordnen. Zu den hervorragenden Wandmalereien gehören die Werke von Tewdore; letztlich ragen die Wandmalereien des Klosterbereiches David-Garedschi heraus.
Die Freskenmalerei aus der Zeit vom 10. bis 14 Jh. Hinterließ eine Reihe von Porträts westlicher und geistlicher Personen, vor allem von solchen, durch deren Initiative die Bauwerke errichtet, erweitert oder ausgemalt wurden. Üblicherweise war die Nordwand des Gebäudes der bevorzugte Platz für diese Porträts, nicht zuletzt wohl auch wegen der günstigen Lage gegenüber dem südlichen Hauptportal und wegen der guten Ausleuchtung durch die Fenster der Südwand.

Unter den erhaltenen Stifterporträts dieser Zeit nehmen die der Königin Tamar und der Könige Giorgi III. und Giorgi IV. Lascha in Wardzia, Kincwissi und Timotesubani einen besonderen Rang ein.

Die Wandmalereien des 13. und 14. Jh. tragen neue, vom sog. „paläologischen“ Stil aus Byzanz übernommene Züge. Hier ist in erster Linie die Wandmalerei von Ubissi zu nennen, ausgeführt von dem Maler Damian. Die Gestalten in Ubissi-Malereien sind in heftigen Bewegungen und komplizierten Drehungen wiedergegeben; sie sind kantig und expressiv. Die Linien des Faltenwurfs ihrer Gewänder sind hart, zur Steigerung der Ausdruckskraft wird reichlich mit weißer Farbe gearbeitet. Die Kompositionen sind vielfigurig angelegt, charakteristisch sind Gebirgslandschaften und komplizierte architektonische Gebilde.

Auf den Wandmalereien des 16. /17. Jh. werden die Szenen und Figuren in bedeutend kleinerem Maßstab wiedergegeben. Sie verlieren in einem gewissen Maße an monumentalem Charakter. Die Zeichnung ist konventionell. Das Kolorit ist blass und schwächlich, bisweilen wird es durch die Zusammenstellung einiger intensiver Töne charakterisiert.
Im späten Mittelalter erhöht sich die Anzahl der Stifterporträts erheblich, die Figuren werden durch Flächigkeit und durch die betonten, ausdrucksvollen Konturenlinien charakterisiert. Sie sind völlig frontal dargestellt. Die Körperdrehung der Figuren auf den Fresken des 11. bis 13. Jh., die die Illusion der Bewegung zum Alter hin schuf, ist nun bis auf Ausnahmen durch erstarrte Posen ersetzt.


Der heilige Georg vor Diokletian,
Ubissi, XIV Jh.


Literatur:

Russudan Mepisaschwili, Wachtang Zinzadze, Die Kunst des alten Georgien, Atlantis Verlag, 1977, Zürich/Freiburg i. Br.